Entwicklungen und Trends
Um einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen bei Druckfarben zu bekommen, muss auch aufgezeigt werden, dass die laufenden Veränderungen bei den Bedruckstoffen und den Druckverfahren einen ganz wichtigen Einfluss haben. Durch die beschleunigte technologische Entwicklung werden immer größere und neue Anforderungen an Farbe und Papier gestellt. Auch die Wünsche und Forderungen des Marktes sind zu beachten, wo nicht nur Produktentwicklungen sondern auch verbesserte Produktionsabläufe eine Zielsetzung sind. Da von diesen Veränderungen im Bereich der Feinpapiere der Offsetbereich am meisten betroffen ist, wird auf diesen im Folgenden auch näher eingegangen.

Der Bogenoffsetdruck hat aufgrund der vielen Einsatzgebiete noch immer den größten Druckmaschinenanteil, wobei ca. 82 % Akzidenzdrucker und ca. 18% Verpackungsdrucker sind. Just in time Produktion zu niedrigsten Kosten verbunden mit einer Spitzenqualität sind die heutigen Forderungen an den Bogenoffsetdruck. Für die Erledigung eines Druckauftrags stehen nur noch 1 bis 2 Tage zur Verfügung, über die notwendige Trockenzeit der Farben wird nicht mehr diskutiert. Neue Feuchtmittelzusätze für IPA Reduktion, höhere Produktionsgeschwindigkeiten, beidseitiges Bedrucken in einem Durchgang und schnelle Weiterverarbeitung sind die Anforderungen des Marktes, die von Farbe und Papier erfüllt werden müssen.
Beim Rollenoffsetdruck ist eine immer engere Verflechtung von Heatset und Coldset zu beobachten. Ausserdem können im Heatset schon Aufträge ab 20. 000 Exemplaren im Broschürendruck wirtschaftlich gedruckt werden. Der Trend zu Ultra-leicht-gestrichenen Papieren und SC Papieren hält an, was Farben mit niedriger Zügigkeit voraussetzt. Andererseits wird versucht im Coldset ebenfalls gestrichene oder pigmentierte Papiere einzusetzen, wo wiederum schnell wegschlagende Farben verlangt werden, die ohne Ofentrocknung auskommen.
Der Digitaldruck wird aufgrund seiner Schnelligkeit und individuellen Möglichkeiten den
unteren Bereich bei den kleinen Auflagen übernehmen. Bevorzugte Anwendungsgebiete werden die für konventionelle Druckverfahren unwirtschaftlichen Auflagenhöhen verbunden mit personalisierten Exemplaren sein.

Der Flexodruck wird durch immer besser werdende Qualität für den Verpackungsdruck bei hohen Auflagen interessant. Ausserdem werden immer mehr kombinierte Druckmaschinen für den Offset- und Flexodruck eingesetzt. In solchen Maschinen sind nach den Offsetdruckwerken Lackierwerke mit Aniloxwalzen und Kammerrakel in die Maschine eingebaut, in denen wasserverdünnbare Farben und Lacke eingesetzt werden.

Druckfarbenaufbau
Zunächst einige grundlegende Hinweise zum Aufbau der Druckfarbe, da wichtige Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten stark von der Zusammensetzung beeinflusst werden. Offsetdruckfarben bestehen grundsätzlich aus den drei Hauptkomponenten
Pigmente und Extender (Pulver oder Flushpaste):
Für Druckfarben werden vorwiegend unlösliche, organische Pigmente (Basis Erdöldestillate), Russe sowie einige anorganische Pigmente eingesetzt.
Bindemittel (Firnisse):
Bindemittel sind Firnisse auf Basis pflanzlicher (trocknender) Öle, Mineralöle, Esteröle, modifizierter Hartharze und Alkydharze, die durch Verkochung hergestellt werden.
Druckhilfsmittel (Öle, Pasten, Trockner, etc.)
Druckhilfsmittel werden benötigt, um bestimmte Eigenschaften der Druckfarbe, dem jeweiligen Verwendungszweck entsprechend, optimal einzustellen.

Mineralölfreie Druckfarben
Immer häufiger werden mineralölfreie Druckfarben angeboten, welche ausschließlich auf Produkten nachwachsender Rohstoffe aufgebaut sind. Wie bereits erwähnt, sind auch konventionelle Offsetdruckfarben mit einem mehr oder weniger hohen Anteil an nachwachsenden Rohstoffen (Pflanzenöle und Naturharze) formuliert.

Bei den mineralölfreien Farbserien werden Derivate pflanzlicher Öle verwendet und es wird damit den allgemeinen Bestrebungen entsprochen, bei begrenzt vorhandenen fossilen Rohstoffvorräte zu sparen. Diese Druckfarben haben vergleichbar gute Eigenschaften wie
bisherige Druckfarben mit teilweise sogar hervorragenden speziellen drucktechnischen Qualitätsmerkmalen und können für alle Druckarbeiten eingesetzt werden. Der schonende Umgang mit natürlichen Ressourcen und die Nutzung nachwachsender Rohstoffe gewinnt ständig an Bedeutung.

Wechselwirkung Druckfarbe/ Bedruckstoff
Bei den Bedruckstoffen gibt es ebenfalls markante Entwicklungstendenzen. Die Wiederverwendung von großen Anteilen an Altpapier entspricht zwar dem Umweltgedanken, stellt aber auch neue Forderungen an die Druckfarbenhersteller und an die Drucker. Reine Recycling-Papiere wie auch die leichtgestrichenen (pigmentierten) Papiere benötigen Druckfarben mit niedriger Klebrigkeit, hoher Farbkraft und schneller Trocknung. Besonders wichtig ist dabei die exakte Einstellung des Feuchtwassers mit entsprechenden Zusätzen.
Mattgestrichene Papiere erobern einen immer größeren Marktanteil, aber unterschiedliche Saugfähigkeit sowie Markierungen und Abkreiden durch die matte Oberfläche können zu Problemen führen. Ständige Tests, die zusammen mit Papierfabriken, graphischen Hochschulen und Kunden durchgeführt werden, zeigen diese Unterschiede auf.

Bei einem solchen Praxistest wurden 4 Farbserien und 9 verschiedene Mattpapiere hinsichtlich Wegschlageverhalten, Wisch- und Scheuerfestigkeit, Glanz und Druckfilmglätte zueinander verglichen. Es zeigten sich bei den einzelnen Beurteilungen relativ grosse Abweichungen, wobei diese innerhalb der Papiere deutlich grösser waren als bei den Farben. Das hat zur Folge, dass mit einer Farbe, die optimal für eine Papiertype geeignet ist, bei einer anderen mit Problemen zu rechnen ist. Gemeinsame Forschungsarbeiten mit den Papierfabriken lassen uns immer mehr zu einheitlichen Standards kommen.

Neue Drucktechniken und Druckprodukte
Bedingt durch die rasante technische Entwicklung und dem Wunsch noch effektiver und kostengünstiger zu arbeiten, sind bereits Druckmaschinen auf dem Markt, die völlig neue Möglichkeiten bieten. Ausserdem gibt es immer wieder neue Anforderungen an das fertige
Druckprodukt in Hinblick auf Qualität und Eignung. Für diese Einsatzgebiete sind daher spezielle Farbtypen notwendig.

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21.10.08
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